Kategorie: Kultur

  • Bern an einem Marktmontag: Was eine Zwiebel über die Stadt erzählt

    Bern an einem Marktmontag: Was eine Zwiebel über die Stadt erzählt

    Eine Zwiebel kann Küchenvorrat sein, Geschenk oder Schmuck. Am Berner Zibelemärit übernimmt sie alle drei Rollen: zu Zöpfen geflochten, in Kränzen angeordnet, mit Trockenblumen verziert. Helle und rote Knollen werden zu einem Gegenstand, an dem sich bäuerliche Arbeit und städtische Festkultur begegnen.

    Am Montag, 23. November 2026, kehrt der Markt in die Obere Altstadt sowie auf den Waisenhaus- und den Bundesplatz zurück. Verantwortlich ist die Stadt Bern, zuständig ihre Orts- und Gewerbepolizei. Für ein verlängertes Novemberwochenende liegt sein besonderer Reiz darin, eine Stadt über ihr Verhältnis zum Umland kennenzulernen: über Lebensmittel, Handel und einen Montag, der seinen eigenen Rhythmus hat.

    Vom Wintervorrat zum Festgegenstand

    Der Zwiebelzopf führt vor, wie viel Gestaltung in einem alltäglichen Lebensmittel stecken kann. Bern Welcome beschreibt das Angebot von großen Zöpfen bis zu kleinen, verzierten Ausführungen. Daneben stehen Kränze und Figuren. Die Knolle bleibt als Gemüse erkennbar, auch wenn sie längst zum Mitbringsel geworden ist.

    Diese Verbindung von Nutzen und Zierde passt zur Geschichte des Marktes. Die frühere Martinimesse bot Gelegenheit, Vorräte für den Winter zu kaufen. Nach der historischen Darstellung der Stadt kamen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Bäuerinnen aus dem Seeland und dem Freiburgischen um Martini mit Gemüse nach Bern. Mit dem Aufkommen von Lebensmittelläden und Warenhäusern verlor die Messe an Bedeutung; der Zibelemärit blieb.

    Die gern erzählte Geschichte vom Stadtbrand 1405 klingt griffiger: Freiburger Helfer hätten als Dank das Recht erhalten, ihre Zwiebeln in Bern zu verkaufen. Belege für diese Herleitung fehlen, hält die Stadt fest. Die Entwicklung aus dem Gemüsehandel rund um die Martinimesse erklärt den heutigen Markt überzeugender.

    Eine Stadt zwischen Einkauf und Ausgelassenheit

    Zur Zwiebel kommen andere Waren: Textilien, Schmuck, Spielzeug und Keramik. Die Keramikstände erinnern an den früheren Chachelimärit, den Markt für Töpferwaren. Auch auf dem Teller setzt sich die Verbindung fort. Zum überlieferten Speisenangebot gehören Zibelechueche, Käsekuchen und Zwiebelsuppe.

    Der Markt verändert sich dabei. Das 2024 aktualisierte Dossier der lebendigen Traditionen dokumentiert einen Rückgang der Stände; Zwiebelverkäufer bildeten zuletzt nur einen Teil des gesamten Warenangebots. Das Fest lebt heute ebenso vom Jahrmarkt wie vom Gemüsehandel.

    Zum städtischen Brauch gehören Besuche vor Arbeits- oder Schulbeginn und die Konfettischlachten. Früh aufzustehen bedeutet deshalb keineswegs, allein zwischen den Auslagen zu stehen. Schon die frühen Stunden sind Teil des öffentlichen Stadtlebens. Gerade darin liegt der kulturelle Reiseanlass: Einkauf, Schulweg und Fest treffen aufeinander.

    Sonntag anreisen oder Montag früh aufbrechen?

    Die städtische Veranstaltungsseite nennt für 2026 offiziell 6 bis 18 Uhr; erste Verkäufe finden nach ihren Angaben bereits gegen 4 Uhr statt. Stand ist der 8. November 2026. Wer den Markt vor Tagesanbruch besuchen möchte, plant am besten eine Übernachtung von Sonntag auf Montag. So hängt der Beginn des Besuchs nicht von einer nächtlichen Fernanreise ab.

    Für Gäste aus der näheren Umgebung bleibt die Tagesreise mit der Bahn eine sinnvolle Alternative. Der Hauptbahnhof liegt direkt im Stadtzentrum; von dort lässt sich der Markt zu Fuß erreichen. Eine Ankunft später am Vormittag passt zu einem Besuch mit Schwerpunkt auf Waren und Essen. Wer den frühen Marktrhythmus sucht, gewinnt mit der Sonntagsanreise mehr Spielraum.

    Übernachtungsgäste in Beherbergungsbetrieben innerhalb der Stadt Bern erhalten nach den geltenden Angaben das Bern-Ticket für den Aufenthalt in den Libero-Zonen 100/101. Für dieses Novemberwochenende zählt vor allem die zusätzliche Zeit: am Sonntag ankommen, am Montag früh aufbrechen – und Bern an einer Zwiebel kennenlernen.